Feier einer altkirchlichen Lichtvesper

Feier einer altkirchlichen Lichtvesper

Vom 3. – 7. Oktober 2018 fand in Mainz die 61. Ordentliche Synode des Katholischen Bistums der Altkatholiken in Deutschland statt. Für das Konfessionskundliche Institut nahm Catholica-Referent Pfr. Martin Bräuer D.D. an der Synode als Gast teil.

Das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, deren Bischof seit 2010 Dr. Matthias Ring ist, ist eine staatlich anerkannte katholische Kirche, die sich mit anderen selbständigen alt-katholischen Kirchen Europas in der Utrechter Union zusammengeschlossen hat und mit den Kirchen der Utrechter Union in Kirchengemeinschaft mit der Anglican Communion steht. Sie ist ihrem Selbstverständnis nach eine katholische Kirche in der Tradition der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, deren Glaubensgrundlage und Selbstverständnis durch die  allgemeinen Konzilien der ungeteilten Kirche bindend ist. Sie ist bischöflich-synodal verfasst, die Synoden haben aber nicht die Kompetenz von Konzilien, sondern sind die Vertretung der gesamten Ortskirche. Sie beschließt die Ordnungen und Satzungen des Bistums und hat in allen die Ortskirche betreffenden Fragen die letzte Entscheidung, ausgenommen die Bereiche, die dem Bischof kraft Amtes vorbehalten sind. Die Bistumssynode besteht zu 2/3 aus Laien und zu 1/3. aus Geistlichen und hat das Bischofswahlrecht. Zwischen den Synoden wird das Bistum vom Bischof gemeinsam mit der Synodalvertretung geleitet. Auf Gemeindeebene ist die Gemeindeversammlung das oberste Entscheidungsorgan, welches den Pfarrer und die Synodalen für die Bistums- und Landessynoden wählt.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst wurde die Synode mit dem Bischofsbericht von Bischof Dr. Ring eröffnet. Neben zahlreichen Rechtsfragen – so wurde erstmalig ein alt-katholisches Ordensrecht verabschiedet – beschäftigte sich die Synode mit dem inhaltlichen Leitthema „Frieden“, verabschiedete eine Leitlinie zur Prävention gegen sexuelle Gewalt und wählte eine neue Kirchenleitung. Wichtig war den Synodalen, sich bei zukünftigen Synoden mehr mit thematischen Inhalten auseinanderzusetzen und über das eigene Selbstverständnis als alt-katholische Kirche Gedanken zu machen.

Im Synodensaal: Bischof Ring und Mitglieder der Synodalvertretung

Im Synodensaal: Bischof Ring und Mitglieder der Synodalvertretung

Große Einmütigkeit unter den Synodalen war zu spüren, als es in verschiedenen Zusammenhängen um die Frage ging, auf den Synoden mehr inhaltlich zu arbeiten statt sich vorrangig mit Fragen des Kirchenrechts auseinanderzusetzen. Den Synodalen war es ein wichtiges Anliegen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was die alt-katholische Kirche nicht in Abgrenzung zu anderen Konfessionen ausmacht, sondern wie sie selbst ihren Glauben und ihr Selbstverständnis versteht. In diesem Zusammenhang wurde unter dem Arbeitstitel „Gottsuche“ auch der Prozess für die Entwicklung eines Glaubensbuches angeschoben, mit dessen Hilfe Menschen einen leicht zugänglichen und verständlichen Zugang zum christlichen Glauben aus alt-katholischer Sicht erhalten sollen. Damit griff die Synode auch einen Impuls auf, den Bischof Ring in seinem Bischofsbericht gegeben hatte.

Ein wichtiger Punkt war am letzten Sitzungstag die Annahme von Leitlinien zur Prävention gegen sexuelle Gewalt durch die Synode. Der Diskussionsprozess für solche Leitlinien war bereits vor sechs Jahren von der Synode im Jahr 2012 angestoßen worden. Sie sollen nun dazu beitragen, eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinschauens zu fördern, um sexualisierte Übergriffe zu verhindern. Vertagt wurde eine abschließende Beschlussfassung zum Thema „Ehe, Partnerschaftssegnung, Sakrament“. Bischof Ring berichtete der Synode, dass die Bischöfe der alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union bei ihrer letzten Sitzung beschlossen haben, einen Konsultationsprozess einzuleiten, um sich bis Mitte 2020 über die Haltung der Bistümer zu dem Thema klar zu werden; danach müsse dann jede der autonomen Ortskirchen entscheiden, welche Konsequenzen sie aus der Positionsbestimmung der anderen Kirchen ziehe.

Abschlussgottesdienst am 7. Oktober in der St. Quintinskirche in Mainz

Abschlussgottesdienst am 7. Oktober in der St. Quintinskirche in Mainz