Auf ihrer Frühjahrstagung am 20. März 2019 im Fuldaer Priesterseminar hatte sich die ACK Hessen-Rheinhessen dem Gedenken des vor einem Jahr verstorbenen Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann gewidmet. Besonders sein ökumenisches Wirken lag im Focus der beiden Referate, die von PD Dr. Alexander Nawar, Ökumenereferent des Bistums Mainz und Pfr. Martin Bräuer D.D. , Catholica-Referent des Konfessionskundlichen Institutes Bensheim, gehalten wurden. Nawar skizzierte den Lebenslauf Lehmanns von seiner Studienzeit bis in die Jahre als Mainzer Bischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er wies darauf hin, dass neben der intensiven theologischen Arbeit es vor allem die Not konfessionsverschiedener Ehepaare gewesen sei, die ihn zum intensiven Engagement in der Ökumene bewegt hätten. Bräuer erinnerte daran, dass Lehmann ein hervorragender Kenner der evangelischen Theologie gewesen sei und in das ökumenische Gespräch neben großer Sachkenntnis viel Geduld und große Leidenschaft einbrachte. Schon 1969 sei er Mitglied des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen, wo er gemeinsam mit Wolfhardt Pannenberg federführend das Projekt „Lehrverurteilungen – kirchentrennend?“ betreute.

In den zwei Jahrzehnten, in denen Lehmann Vorsitzender der DBK war, haben diese und der Rat der EKD in über 20 Texten gemeinsam Stellung bezogen zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Bräuer führte weiter aus, dass es Lehmann verstanden habe, die ökumenischen Spielräume jeweils optimal auszunutzen. Er habe fest auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils gestanden und für seine unverkürzte Umsetzung gekämpft. In diesem Zusammenhang erwähnte er besonders die beiden Eröffnungsreferate auf den Herbstvollversammlungen der DBK im September 2000 zu „Eucharistie und Kirchengemeinschaft“ und im September 2007 „Zum Selbstverständnis des Katholischen. Zur theologischen Rede von Kirche“

Es sei daher auch heute noch besonders zu würdigen, dass Kardinal Lehmann in einer Zeit, die von Versuchen geprägt war, diese theologische Pointe des Zweiten Vatikanischen Konzils abzuschwächen, seine ganze theologische Kompetenz einsetzte, um die Intention der Konzilsväter unverkürzt zur Geltung zu bringen.

Lehmann sei sich bewusst gewesen, dass ökumenisches Engagement vor allem Geduld und langen Atem erforderte und er warnte vor „ungedeckten Schecks“, die kontraproduktiv seien. Dennoch sei sein Engagement für die Ökumene von Leidenschaft und Geduld geprägt gewesen, an der er  auch dann festhielt, als das ökumenische Gespräch schwieriger wurde.