Zu einem Sommerempfang hatte das Konfessionskundliche Institut (KI) unter der Leitung von Dr. Mareile Lasogga am 4. August nach Bensheim eingeladen. Auf der neu gestalteten Gartenterrasse begrüßte die Direktorin zahlreiche Gäste und stellte die internationale Neuausrichtung des Instituts vor. So habe man unter anderem das neue Referat „Anglikanismus und Ökumene auf Weltebene“ eingerichtet, das seit Juli mit Daniel Lenski besetzt ist, erläuterte Lasogga. Die ehemals auf zwei Referate verteilten Aufgaben im Bereich „Catholica“ wurden in einem Referat zusammengeführt. In ihrer Begrüßungsansprache bedankte sich Dr. Mareile Lasogga bei allen Förderern und Kooperationspartnern für die engagierte Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Landesbischof Meister

Der Vorsitzende des Kuratoriums des Instituts, Ralf Meister, Bischof der Evangelischen Lutherischen Landeskirche Hannovers, verdeutlichte in einem spannenden Impulsvortrag zum Thema „Von Konfessionen und Konfessionslosen“ die Herausforderungen des KI, „in einer Zeit, in der die Bedeutung des konfessionellen Gedankens sich immer mehr relativiere und seine Rolle als öffentlich relevante Kategorie zu verlieren scheint.“ Die größte Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft seien sogenannte Konfessionslose, die einzige Gruppe, die seit Jahren wachse, so Meister.

„Noch beruhigen sich die beiden großen Kirchen mit der Abnahme der Austrittszahlen und ignorieren, dass der demographische Faktor die Kirchen in den nächsten zwei Jahrzehnten vor eine völlig neue Situation stellen wird, auf die wir noch keine Antworten haben.“ Auf die Frage, was die zentralen Themen der Kirche sind, folge Sprachlosigkeit. „Eine kollektive Identität innerhalb einer Konfession können wir nicht mehr voraussetzen.“ Diese Herausforderung anzunehmen und die Stärke evangelischer Konfessionalität zu pflegen, sei auch Aufgabe des Instituts.

Die Präsidentin des Evangelischen Bundes und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums, Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff, hob in Ihrem Grußwort die Bedeutung des KI im europäischen Kontext hervor. Mit der Gründung des Instituts in Bensheim vor 70 Jahren habe der Evangelische Bund die religiöse Bildung und Aufklärung in der Gesellschaft stärken wollen. „Es ging um Verstehen und Rekonstruieren – im ökumenischen Sinn den Nächsten kennenzulernen, wie sich selbst.“ Diese Aufgabe habe das Institut in den letzten Jahren aufs Beste wahrgenommen, lobte Schneider-Ludorff und dankte allen Mitarbeitenden des Instituts.

„Darüber hinaus hat sich der Evangelische Bund mit der Institutsgründung damals abgewandt von einer Verengung auf ein nationales Staatskirchentum hin zu einem Ort, der sich konsequent europäisch versteht“, führte Schneider-Ludorff weiter aus. „Das KI sollte daher in den kommenden Jahren das Europa-Institut der evangelischen Kirchen in Deutschland werden.“ Die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Aufgaben der Kirchen im europäischen Raum werde für das KI künftig richtungsweisend sein.

Die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf, übermittelte ein Grußwort ihrer Landeskirche. „Die Vielfalt des Zeugnisses kann bereichern, aber auch das gegenseitige Verständnis erschweren oder Außenstehende gar verwirren“, so Scherf. Deshalb sei es wichtig, die Konfessionen mit ihren je eigenen Profilen wahrzunehmen und vor allem zu verstehen. Nicht als Selbstzweck, sondern um der Einheit willen, die sie in Christus haben. Dazu leiste das KI einen wesentlichen Beitrag. „Ich wünsche dem Institut, dass es auch weiterhin dazu beiträgt, dass das Zeugnis der einen Christenheit in der Vielstimmigkeit der Konfessionen gehört und verstanden wird.“

Auch Karl-Hinrich Manzke, Bischof der Evangelischen Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe und Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) würdigte die Fachkompetenz des Instituts und die gute Zusammenarbeit auf ökumenischer Ebene. Der Bensheimer Stadtrat Helmut Sachwitz (CDU) überbrachte die Grüße der Stadt und betonte die Bedeutung der konfessionellen Arbeit für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. „Wir sind froh, dass das Institut Teil dieser Stadt ist“, sagte Sachwitz. Die Öffentlichkeit müsse viel mehr über die Arbeit des KI erfahren, so sein Wunsch.

Der Sommerempfang bot die Möglichkeit, mit vielen weiteren Gästen ins Gespräch zu kommen. So konnte das KI unter anderem Harald Rückert, seit März 2017 Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland und Norbert Denecke, Geschäftsführer der Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes, begrüßen.

   

Über das KI

Das Konfessionskundliche Institut (KI) versteht sich als kritische Beratungsinstanz des Evangelischen Bundes, der EKD und ihrer Gliedkirchen. Es beobachtet und bewertet aktuelle Entwicklungen in der Ökumene, begleitet ökumenische Prozesse und theologische Diskurse und setzt sich auch mit ökumenisch relevanten ethischen Fragestellungen auseinander. Darüber hinaus werden gesellschaftliche, politische und kulturelle Entwicklungen analysiert und Impulse zu aktuellen Diskursen gegeben, die konfessionskundlich bzw. ökumenisch relevant sind.

Die Mitarbeitenden arbeiten eng mit Vertretern von Forschung und Lehre zusammen, beraten kirchenleitende Personen und Gremien und bieten Fortbildungen für Theologinnen und Theologen im Gemeinde- und Schuldienst an. Im Rahmen von Tagungen, Seminaren und Vortragsarbeit fördert das KI den theologischen Austausch. Eigene Publikationen, wie die Fachzeitschrift „Materialdienst des konfessionskundlichen Instituts“, informieren über den aktuellen Stand der konfessionskundlichen Forschung und ökumenischen Entwicklung.

Der Evangelische Bund e.V. ist Träger des KI, das 1947 in Bensheim gegründet wurde und dort bis heute seinen Sitz hat. Seit 2015 ist Dr. Mareile Lasogga Direktorin des Instituts.

Text/Fotos: Britta Jagusch