Das erste theologische Kolloquium, des neu gegründeten „Deutsch-Rumänischen Instituts für Theologie, Wissenschaft, Kultur und Dialog – Ex fide lux“, widmete sich dem Thema „Heiligenverehrung in Ost und West“ und fand vom 11.-14. Mai 2018 in Sibiu in der Evangelischen Akademie Siebenbürgens und in der Orthodoxen Akademie im Kloster Sâmbăta de Sus statt. Die Tagung war, den Zielen des Instituts entsprechend, ökumenisch angelegt und bot Vorträge zu verschiedenen Themenbereichen jeweils aus evangelischer, katholischer und orthodoxer Perspektive. Insgesamt wurde dabei deutlich, dass die katholische und die orthodoxe Kirche im theologischen Verständnis von Heiligen wie auch im kirchenrechtlichen Umgang damit einander näherstehen, als auf der anderen Seite die evangelischen Kirchen. Gleichzeitig versuchten verschiedene Beiträge gerade diesen Graben zu überbücken: Kardinal Gerhard Müller machte deutlich, dass sich ein Ansatz des Heiligenverständnisses in der Communio-Ekklesiologie für evangelische Theologie als anschlussfähig erweise. Dies bestätigte sich in gewisser Weise im Vortrag von Professor Peter Gemeinhardt (Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des KI), der deutlich machte, dass evangelischerseits Heilige als „Wegbereiter und Wegbegleiter“ durchaus wichtig sind, die keine Glaubenshelden sind, sondern Menschen, die die Verheissung der Rechtfertigung erfahren haben und in ihrem leben umgesetzt haben. Ähnliches klang auch im Vortrag von Metropolit Laurentiu Streza durch, wenn er deutliche machte: „…in den Heiligen verehren wir das Wirken des Heiligen Geistes, der Sünden vergibt und in ihnen Seine Gaben zum Wirken bringt…“ Gleichzeitig wurde deutlich, dass in der orthodoxen Kirche Die Heiligenverehrung viel stärker im Zusammenhang der Auffassung von der so genannten „Theosis“ (Vergöttlichung) des Menschen zu verstehen ist, deren anthropologische Grundlage in ihrem Unterschied zur evangelischen Theologie noch näher zu untersuchen wären. Das in diesen drei grundlegenden Vorträgen dargebotene Verständnis von Heiligen und deren Verehrung wurde in weiteren Vorträgen noch in Details vertieft und genauer dargelegt und von den etwa 80 Teilnehmenden zum Teil interessiert diskutiert.

Für das KI nahm die Orthodoxiereferentin Dagmar Heller an dieser Tagung teil und zog daraus als Fazit, dass das Thema „Heilige“ sich für den tri-lateralen ökumenischen Dialog als sehr ergiebig erweist, und es sich grundsätzlich lohnt, ökumenische Themen tri-lateral anzugehen, da sich dadurch klischeehafte Perspektiven an gewissen Stellen verschieben und damit öffnen können.