Foto: Ulrike Bohländer/Zentrum Oekumene

Im Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau sowie Kurhessen-Waldeck in Frankfurt am Main war am 26. März 2019 die Publizistin Liane Bednarz zu Gast. Die promovierte Juristin kam auf Einladung des Arbeitskreises Weltanschauungsfragen zu Vortrag und Aussprache über Inhalte ihres 2018 veröffentlichten Buches „Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern“.

Der Leiter des Arbeitskreises hatte diesen Teil der Sitzung für weitere Teilnehmende geöffnet, die aber aus nachvollziehbaren Gründen nur auf Einladung dabei sein konnten. Davon machte eine Reihe von Personen Gebrauch, die in ihrem beruflichen Feld – Kirchen, Medien, Pädagogik, Verbrechensbekämpfung – auf Informationen angewiesen sind, die nur eine solche Expertin hat. Für das Konfessionskundliche Institut Bensheim (KI) nahm Dr. Lothar Triebel teil. (In einer Publikation des Schwesterinstituts des KI, der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin, hatte Bednarz ebenfalls im vergangenen Jahr einen Artikel über „Christen in der AfD“ publiziert, vgl. „Rechtspopulismus und christlicher Glaube“ [EZW-Texte 256], Berlin 2018, S. 25-47.)

Als ein zentrales Merkmal „rechter Christen“ bezeichnete Bednarz deren Hang, den Wahrheitsanspruch des Christentums auf die Politik zu übertragen. Die Referentin, die sich selbst als christlich-konservativ bezeichnete, berichtete aus eigener Erfahrung, wie man in den Sog politisch sehr weit rechts stehender mit christlichen Werten argumentierender Menschen geraten kann. Andererseits machte sie auch deutlich, dass manche Sympathisanten solcher Menschen durchaus ansprechbar sind: Einige lassen sich davon überzeugen, dass die (scheinbar) christliche Begründung politischer Rechtsaußen-Positionen notwendig in Konflikt gerät mit tatsächlichen Grundaussagen christlicher Theologie und zentralen Inhalten der Bibel.

Ein besonders abstruses, aber in rechten Kreisen offenbar funktionierendes Beispiel für die Umwertung biblischer Zentralaussagen sei, so Bednarz, die Nächstenliebe. Diese würde in den von ihr untersuchten Reden und Büchern häufig so definiert, dass mit den „Nächsten“ die eigene Familie, und über wenige weitere Stufen dann das eigene Volk gemeint sei. – Dass dies klar gegen die Intention des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter (der neutestamentlichen Paradedefinition von Nächstenliebe) verstößt, musste man bei dieser Veranstaltung niemandem erklären. Aber, so ein Teilnehmer, es zeigt sich hier erneut, welche große Alphabetisierungsaufgabe allen Kirchen und Gemeinden heutzutage zukommt.