„Aufbruch in der Ökumene“ – das war das Thema, unter dem der diesjährige Sommerempfang des Konfessionskundlichen Institutes Bensheim stand.

Im wahrsten Sinne aufgebrochen waren über 60 Personen, die von der Präsidentin des Evangelischen Bundes, Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff, begrüßt werden konnten. Schneider-Ludorff hieß Gäste aus den Gremien des Institutes und des Evangelischen Bundes, aus den das Institut unterstützenden Landeskirchen, den kommunalen Gremien sowie aus der Ökumene willkommen, unter ihnen den Ratsvorsitzenden der EKD, der bayerische Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Pfarrerin Ulrike Scherf, den Mainzer Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf, Weihbischof Dr. Thomas Löhr aus Limburg, den Kirchenpräsidenten der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, Bezirksapostel Rainer Storck, Pastor Frank Uphoff als Vorstandsmitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und stv. Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, Bischof Harald Rückert von der Evangelisch-Methodistischen Kirche Deutschlands, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, Pastorin Doris Hege, die Chief International Events Officer der Mennonite World Conference, Pastorin Liesa Unger, den Vizepräsidenten des Süddeutschen Verbands der Siebenten-Tags-Adventisten, Pastor Jens Mohr, die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages Dr. Julia Helmke und die Geschäftsführerin der  Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland Dr. Verena Hammes, die 1. Kreisbeigeordnete des Kreises Bergstraße, Diana Stolz und den 1. Stadtrat der Stadt Bensheim, Helmut Sachwitz.

Schneider-Ludorff betonte in ihrer Begrüßung, dass das Thema Konfessionskunde in den letzten Jahren immer wichtiger geworden sei, weil es per se das europäischste und internationalste in der Ausrichtung der Theologie sei. Man sei froh, dass man in Bensheim über vielfältigste Vernetzungen in andere Länder und Glaubensrichtungen verfüge. Es ginge in Bensheim darum, das Wissen über die Konfessionen zusammenzuführen und aufzubereiten. Sie wies auch darauf hin, dass Pluralität auch der Organisationsformen in die DNA des Protestantismus gehöre und dieser in der Vielfalt stark sei Diese Vielfalt gelte es zu stärken.

Das Impulsreferat hielt der Ratsvorsitzende der EKD Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Er betonte die Notwendigkeit des Konfessionskundlichen Institutes: „Die ökumenische Forschungs- und Lernwerkstatt, die das KI ist, verdankt sich der Erkenntnis und theologischen Überzeugung, dass die Trennung der Kirchen nichts ist, an das man sich gewöhnen kann.“ Heinrich Bedford-Strohm äußerte sich optimistisch zur Zukunft der Ökumene und zu einem gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken. Dass die Christen „auf dem Weg zum Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt 2021 so große Fortschritte machen, dass auch eine wechselseitige eucharistische Gastfreundschaft möglich ist, ist jedenfalls nicht auszuschließen“, sagte der bayerische Landesbischof. Zugleich warb Bedford-Strohm für mehr Engagement der Kirchen beim Einsatz für Flüchtlinge im Mittelmeer. Dies trage zu deren Glaubwürdigkeit bei.

Beim Thema Ökumene ging Bedford-Strohm noch einen Schritt weiter: „Geben wir uns einen Moment lang der Hoffnung hin, dass im Jahr 2030, dem 500. Jahr der Verlesung der Confessio Augustana, mit der die Kirchentrennung eine Tatsache wurde, die sichtbare Einheit der Kirchen in versöhnter Verschiedenheit da ist und wir gemeinsam zum Mahl am Tisch des Herrn versammelt sind“, sagte er.

Der Mainzer katholische Bischof Peter Kohlgraf rief auf dem Ökumene-Empfang Katholiken und Protestanten zu mehr Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen aus. Die Christen beider Konfessionen dürften nicht nebeneinanderher arbeiten, das gelte vor allem angesichts der schwindenden Mitgliederzahlen. In diesen Umstrukturierungsprozessen brauche die Ökumene „einen festen Ort”.

Die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Pfarrerin Ulrike Scherf, betonte in ihrem Grußwort, dass mittlerweile ein großes Vertrauen zwischen den Konfessionen gewachsen sei. Das Reformationsjubiläum 2017 habe wesentlich dazu beigetragen, dass „das Miteinander und die Verbundenheit der christlichen Kirchen und Gemeinschaften … vielfach eine neue Tiefe gewonnen“ habe. Viele hätten somit erfahren, was im EKD-Text zur „Ökumene im 21. Jahrhundert“ aus dem Jahre 2015 formuliert sei: „eine versöhnte Verschiedenheit und Gemeinschaft“. Dieser Text betone besonders auch die Notwendigkeit weiterer Bildungsarbeit für den ökumenischen Dialog, und so verwies Scherf auf das Konfessionskundliche Institut: „Für diese Bildungsarbeit und Ausbildung zur Dialogfähigkeit leistet die Fachexpertise, die das Konfessionskundliche Institut vorhält und einbringt, einen wichtigen Beitrag.“ Das Besondere dieser Expertise des Konfessionskundlichen Instituts sei, so Scherf weiter, „dass hier die Bewegungen und Entwick

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lungen in den Konfessionen langfristig beobachtet werden und auf diesem Hintergrund aktuelle Situationen gut verstanden und gedeutet werden können …“ Damit leiste das KI einen wichtigen Dienst für die Landeskirchen, und dass es im südwestdeutschen Raum verwurzelt sei, sei auch ein wesentlicher Grund für die Unterstützung des Instituts durch die vier südwestdeutschen Landeskirchen.

Das Jahr 2021 wird in Deutschland ganz besonders von der Ökumene bestimmt: Der Ökumenische Kirchentag (ÖKT) vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main ist das dritte Großtreffen dieser Art nach Berlin 2003 und München 2010. Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) – das oberste legislative Organ des Weltkirchenrates – trifft sich 2021 in Karlsruhe, nach 2006 im brasilianischen Porto Alegre und 2013 im südkoreanischen Busan.

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Text: Martin Bräuer