(v.r.n.l.:) VEF-Präsident Christoph Stiba, EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber, KI-Freikirchenreferent Dr. Lothar Triebel. Foto: R. Schumacher / KI

Am 6. und 7. März 2019 fand in der Theologischen Hochschule Reutlingen die Tagung mit dem Titel „Neue Perspektiven auf die Taufe“ statt, mit der Veranstalter und Teilnehmer Neuland beschritten. Zwar gibt es seit Längerem jährliche Kontaktgespräche zwischen Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), aber eine gemeinsame Tagung war etwas Neues. Sie fand in der Theologischen Hochschule Reutlingen, einer Einrichtung der Ev.-methodistischen Kirche statt. Die Leitung hatten neben deren Rektor, Prof. Dr. Roland Gebauer, die Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit im Kirchenamt der EKD, Bischöfin Petra Bosse-Huber, sowie Pastor Christoph Stiba, Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (und im Hauptberuf Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden). Der Freikirchenreferent des KI, Dr. Lothar Triebel, nahm sowohl im Januar als Gast am diesjährigen Kontaktgespräch wie auch jetzt an dieser Tagung teil.

Mit dem Untertitel zum Tagungsthema wurde die Tagungsmethode annonciert: „Begegnung und Erfahrungsaustausch von VEF und EKD“. Das wurde im Tagungsprogramm durch Bosse-Huber und Stiba so ausbuchstabiert: „Über lange Zeit hinweg haben Freikirchen und Landeskirchen beim Thema Taufe einen Schwerpunkt auf die Differenzen im Lehrverständnis gelegt und an der Taufe grundlegende Unterschiede ihres Glaubens- und Kirchenverständnisses festgemacht. Unsere Tagung soll neue Zugänge zur Taufe und dadurch auch neue Zugänge zu einander erschließen. Dazu wollen wir Erfahrungen teilen und besonders in den Blick nehmen, inwieweit ein nicht exklusives Verständnis der eigenen Taufpraxis möglich ist. Können wir miteinander lernen, die Vielfalt der Zugänge und Verständnisse untereinander besser wahrzunehmen und wertzuschätzen?“

Zweifellos hat die Tagung dazu beigetragen. Hilfreich war, dass sie mit zwei „Impulsen zur Versöhnung“ (von Bosse-Huber und Stiba) begann. Erhellend war für viele Teilnehmenden sicher auch zu hören, dass von einer generell praktizierten „Säuglingstaufe“ innerhalb der EKD nicht mehr gesprochen werden kann und wie differenziert Taufpraktiken und Tauftheologien innerhalb der Freikirchen sind: Von der Möglichkeit zur Kindertaufe in der Ev.-methodistischen Kirche über die Gläubigentaufe bei den meisten Freikirchen bis hin zur Heilsarmee, die keine Wassertaufe ausübt. Für die „Eingeweihten“ aber war keine Überraschung, dass die in den letzten Jahren vielfach diskutierten theologischen Konzepte von Taufe als „Prozess“ bzw. „Initiation“ eher zwischen Baptisten im Bund Evangelisch-Freikirchlicher  Gemeinden und Landeskirchlern als tragfähige Brücken angesehen werden könnten als im Gespräch von EKD und Vertretern des Bundes freikirchlicher Pfingstgemeinden. Letztere erklärten unmissverständlich, dass Gemeindemitgliedschaft innerhalb ihres Bundes nur nach Gläubigentaufe möglich sei, zeigten sich aber ansonsten grundsätzlich zu vielen Formen christlicher Konvivenz bereit, einschließlich dessen, was man in der EKD „Kanzelgemeinschaft“ nennen würde; das hinreichende Fundament für gemeinsames Wirken von Christen liegt für sie wie für alle Freikirchen in der VEF im Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Herrn der Gemeinde.