Dr. Dirk Spornhauer, Dr. Walter Fleischmann-Bisten und Dr. Lothar Triebel am Portal des historisch bedeutsamen Gemeindehauses der Christus-Gemeinde Mülheim (Foto: Dr. Astrid Nachtigall)

Dr. Dirk Spornhauer, Dr. Walter Fleischmann-Bisten und Dr. Lothar Triebel am Portal des historisch bedeutsamen Gemeindehauses der Christus-Gemeinde Mülheim (Foto: Dr. Astrid Nachtigall)

Die Bedeutung Gerhard Tersteegens für die Freikirchen war das Thema der diesjährigen Jahrestagung des Vereins für Freikirchenforschung (VFF). Sie fand vom 5. bis 7. April 2019 statt als Teil eines vielseitigen Veranstaltungsprogramms der Tersteegen-Stadt Mülheim an der Ruhr, mit der sie die 250ste Wiederkehr von Tersteegens Todestag (3.4.1769) begeht. Aus dem Bereich des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim (KI) nahmen die drei VFF-Mitglieder Dr. Lothar Triebel (Referent für Freikirchen), Dr. Dirk Spornhauer (Externer Berater für Pfingstbewegung und Charismatisches Christentum) und Dr. Walter Fleischmann-Bisten (ehemaliger Leiter des KI) an der Tagung teil; letzterer moderierte auch eine Arbeitseinheit. Die inhaltliche Organisation und Leitung der Tagung hatte der methodistische Kirchenhistoriker Dr. Thomas Hahn-Bruckart (Universität Mainz) übernommen, in der äußeren Organisation tatkräftig unterstützt durch den Geschäftsführer des VFF, Reimer Dietze (Dozent am Seminar des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Erzhausen).

Die Tagung fand zum Teil im Haus des Stadtarchivs statt, zum anderen im 1906 erbauten Gemeindezentrum der Christus-Gemeinde Mülheim und damit an einem freikirchenhistorisch bedeutsamen Ort: In Mülheim lag 1905 einer der Anfänge der Pfingstbewegung in Deutschland. Und die Christus-Gemeinde ist Gründungsgemeinde des Mülheimer Verbands Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden.

Ausgewiesene Spezialisten beleuchteten während der Tagung die Wirkung Tersteegens innerhalb ihrer eigenen Kirche bzw. ihres Gemeindebundes. Mussten sie sich dabei aus Zeitgründen zumeist auf bestimmte historische Perioden beschränken, zogen sie jedoch teilweise auch größere Linien und zeigten Querverbindungen auf. So referierte Dr. Dietrich Meyer, pensionierter Kirchenarchivdirektor der Rheinischen Kirche und Herrnhuter, im gemeinsam besuchten Auftaktvortrag der Jahrestagung des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte über die Auseinandersetzung von Tersteegen und Graf Zinzendorf (und gab am Ende kirchenpolitisch bzw. theologisch beiden für je eine Überzeugung recht). PDin Dr. Astrid von Schlachta widmete sich dann im eigenen Tagungsprogramm des VFF unter Konzentration auf die Mennoniten dem Thema „Tersteegen und die religiösen Dissidenten seiner Zeit“. Die Rezeption Tersteegens in späteren Perioden beleuchteten: Dr. Johannes Demandt über „Die Bedeutung Tersteegens in der Geschichte der Freien evangelischen Gemeinden“ und Prof. Dr. Christoph Barnbrock unter dem Titel „Geliebt und verachtet“ über „Die Rezeption Tersteegens im konfessionellen Luthertum“; geographisch bestimmte Querschnittsthemen präsentierten Marcus Heydecke mit „Die Rezeption Tersteegens in unterschiedlichen Strömungen der Siegerländer Erweckungsbewegung“ und Prof. Dr. Steven O’Malley mit „Tersteegen in Amerika“. Den unverzichtbaren hymnologischen Beitrag lieferte Prof. Günter Balders mit „Die Rezeption Tersteegens in freikirchlichen Gesangbüchern“.

Insgesamt haben vermutlich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung diese mit Gewinn besucht. Zu überlegen bleibt, wie durch etwaige Modifikationen des Tagungsformats solche Tagungen generell noch attraktiver gestaltet werden können, so dass insbesondere jüngere Menschen sich angesprochen fühlen. Einerseits ist es sehr hilfreich, in absehbarer Zeit die Vorträge im Jahrbuch des VFF nachlesen zu können, andererseits wäre für das Hörverstehen hilfreich, wenn alle Referenten zwischen Vortrags- und Aufsatzform stärker unterschieden und noch stärker Medien einsetzten. Darüber hinaus wurde schon in der der Tagung vorauslaufenden Mitgliederversammlung die Frage erörtert, wie man auch Aspekte von „Werkstattarbeit“ in das Tagungsprogramm aufnehmen könnte.

Die nächste Tagung des VFF wird am letzten Aprilwochenende 2020 in Marburg stattfinden: „Zwischen Ohnmacht und Vollmacht. Machtstrukturen und Machtausübung in Freikirchen“ (Arbeitstitel).