Die Kirche: Das Licht der Völker

Was Kirche nach katholischem Verständnis ist, hat das 2. Vatikanische Konzil (II. Vaticanum) in der Apostolischen Konstitution „Lumen Gentium“ (LG) von 1964 festgelegt und damit die Überlegungen des 1. Vatikanischen Konzils fortgeführt (Dogmatische Konstitution: Pastor Aeternus [PA] von 1870).

In LG wird deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Kirche von Jesus Christus her lebt. Er ist ihre Basis, ihr Zentrum und ihr Orientierungspunkt. Weil Christus die Offenbarung Gottes ist, bildet die Kirche auch das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit ab: Sie ist Volk Gottes, Leib Christi und Tempel des Geistes. Die Kirche ist demnach ein Zeichen für Gottes Präsenz in dieser Welt. Sie ist das Werkzeug des Heiligen Geistes, der sie dazu befähigt, ihre Aufgabe in der und für die Welt auszuführen. Die Kirche ist also nicht für sich selbst da, sondern für Gott und die Menschen. Sie glaubt nicht an sich, sondern sie sieht sich als Teil des göttlichen Heilshandelns in der Welt. Das Konzil stellt fest, dass die wichtigste Aufgabe der Kirche die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi ist. Christus ist das Licht der Völker. Die Kirche ist sein Spiegelbild.

Die Kirche als Sakrament

In der Verkündigung der Kirche geschieht etwas. Christus kommt den Menschen entgegen. Gott zeigt sich dem Menschen als Liebe an sich und für die Menschen. Die Kirche verkündigt dies und bezeugt es in ihren Handlungen. Deshalb kann die Kirche als „Geheimnis“ („mysterium“/„sacramentum“) bezeichnet werden. Sie stellt das Geheimnis der Liebe Gottes und der Erlösung des Menschen in der Welt dar. Sie steht als Zeichen dafür, dass der souveräne, vom Menschen nicht letztgültig zu verstehende Gott den Menschen liebt – gegen allen negativen Augenschein. Der Schöpfer der Welt offenbart sich in dem von Menschen gekreuzigten Jesus Christus als liebender Vater, der sogar den Tod auf sich nimmt, um den Menschen zu retten. Weil die Kirche diese unbegreifliche Liebe in der Welt verkündigt, ist sie Werkzeug Gottes. Die Kirche ist demnach das Symbol für Gottes Liebe in dieser Welt und bewirkt zugleich die Gemeinschaft mit dieser Liebe in ihrer Verkündigung und ihren Sakramenten. Von ihr strahlt der Glanz Jesu in die Welt hinein.

Die Kirche ist demnach ein wirksames Zeichen, das die Verbindung der Glaubenden untereinander und mit Gott anzeigt und vermittelt. Sie ist kein Sakrament neben den anderen sieben Sakramenten, sondern ist das „Ur-Sakrament“, das diesen erst ihre Wirksamkeit vermittelt, weil in ihr Christus durch den Heiligen Geist wirkt und gegenwärtig ist. Deshalb vertraut sie darauf, dass sie als Zeichen des ewigen Gottes nicht zerstört werden kann. Weil sie von Gott her lebt, wird sie solange bestehen, wie Gott es will. Weil sie von Gott her gesagt bekommt, was sie zu verkünden hat, ist ihre Verkündigung nicht fehlbar. Die einzelnen Menschen, die ihr angehören, sind zwar fehlbar, doch in ihrer Gesamtheit kann die Kirche nicht irren. In ihr realisiert sich der Wille Gottes für die Welt.

Deshalb ist die Kirche keine „Religionsgemeinschaft“, sondern die vom Heiligen Geist befähigte, menschliche Vermittlung der Selbstmitteilung Gottes. Sie ist Volk Gottes, weil sie von Gott erwählt wurde. Gott beschloss, diejenigen, die an Christus glauben, „in der heiligen Kirche zusammenzurufen.“ (LG 2). In ihrer Gestalt ist sie der Leib Christi, der in diese Welt sichtbar hineinwächst (LG 3). In ihr vergegenwärtigt sich Christus, vor allem im Sakrament der Eucharistie. Weil Christus in der Kirche präsent ist, kann die Kirche als das angebrochene Reich Gottes in dieser Welt verstanden werden. In ihr leuchtet das Reich Gottes auf.

Die Kennzeichen der Kirche

Die Kirche ist eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Weil Gott nur einer ist, kann es auch nur ein Volk Gottes geben. Das 2. Vatikanische Konzil stellte deshalb fest, dass die mit den genannten Kennzeichen ausgewiesene Kirche Jesu Christi in der vorfindlichen römisch-katholischen Kirche verwirklicht ist. Sie verbindet in sich als Volk Gottes alle Menschen, die zu allen Zeiten von Gott gerettet wurden – von Beginn der Menschheit an. Darum ist die Kirche Gemeinschaft der Heiligen (communio sanctorum). „Alle nämlich, die Christus zugehören und seinen Geist haben, wachsen zu der einen Kirche zusammen und sind in ihm miteinander verbunden.“ (LG 49)

Deshalb ist sie heilig, weil sie Werk Gottes ist, der das Heil in Person ist. Die Heiligkeit der Kirche liegt in ihrer von Gott verliehenen Fähigkeit, das Heil darzustellen und es zu vermitteln.

Sie ist katholisch, im Sinne von allgemein, weil Gott alle Menschen zu sich ruft. Sie ist katholisch, im Sinne von umfassend, weil Gott seinen Heilswillen umfassend dargelegt hat und ihr alle Mittel (Ämter, Sakramente) geschenkt hat, die zur Heilsweitergabe nötig sind.

Sie ist apostolisch, weil sie historisch auf die Apostel Jesu zurückgeht, die dieser zur Leitung seiner Jünger eingesetzt hat. Die Bischöfe sind Nachfolger der Apostel und achten auf den Verbleib der Kirche bei ihrem apostolischen Ursprung. Deshalb ist das Amt des Bischofs heilsnotwendig und beruht letztlich auf göttlicher Einsetzung durch Jesus.

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