Papst und Römische Kurie  

Die katholische Kirche hat ein einheitliches Kirchenrecht. Im Rahmen dieses universalkirchlichen Rechtes bleibt gleichwohl Raum für nähere Ausgestaltung in einem ortskirchlichen Partikularrecht. Während das kirchliche Gesetzbuch, der Codex Iuris Canonici (CIC) von 1917 noch für die gesamte katholische Kirche Gültigkeit besaß, gilt der neue CIC von 1983 nur noch für die lateinische Kirche (CIC can. 1). Die unierten Ostkirchen haben im Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO) von 1990 ein eigenes Kirchenrecht erhalten.

Höchste Autorität der römisch-katholischen Kirche ist der Papst, der als Bischof von Rom sowohl Bischof eines einzelnen Bistums als auch Oberhaupt der Gesamtkirche ist: „Der Bischof der Kirche von Rom, in dem das vom Herrn einzig dem Petrus, dem Ersten der Apostel, übertragene und seinen Nachfolgern zu vermittelnde Amt fortdauert, ist Haupt des Bischofskollegiums, Stellvertreter Christi und Hirte der Gesamtkirche hier auf Erden; deshalb verfügt er kraft seines Amtes in der Kirche über höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann.“(CIC can. 331)

Als solcher kann er auch aufgrund des auf dem I. Vatikanischen Konzils dogmatisierten sogenannten Jurisdiktionsprimates auch in alle anderen Kirchen eingreifen:

„Der Papst hat kraft seines Amtes nicht nur Gewalt in Hinblick auf die Gesamtkirche, sondern besitzt auch über alle Teilkirchen und deren Verbände einen Vorrang ordentlicher Gewalt, durch den zugleich die eigenberechtigte, ordentliche und unmittelbare Gewalt gestärkt und geschützt wird, die die Bischöfe über die ihrer Sorge anvertrauten Teilkirchen innehaben.“ (CIC can. 333 §1)

Der Papst wird von den Kardinälen in einem „Konklave“ auf Lebenszeit gewählt. Als Konklave bezeichnet man die streng von der Außenwelt abgeschlossene Versammlung aller Kardinäle unter 80 Jahren, die zur Wahl eines Papstes zusammenkommen. Seit 1878 wurden die Päpste ausschließlich in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans auf Lebenszeit gewählt. Laut Kirchenrecht kann ein Papst jedoch auch etwa aus Alters- oder Gesundheitsgründen zurücktreten, was bisher seit dem Rücktritt Coelestins V. am 13. Dezember 1294 nicht mehr geschehen ist. Der Rücktritt eines Papstes bedarf jedoch keiner Annahme, sondern es genügt die Erklärung: „Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird.“ (CIC can. 332 §2)

Trotz seiner totalen Machtfülle steht der Papst „bei Ausübung seines Amtes als oberster Hirte der Kirche stets in Gemeinschaft mit den übrigen Bischöfen, ja sogar mit der ganzen Kirche; er hat aber das Recht, entsprechend den Erfordernissen der Kirche darüber zu bestimmen, ob er dieses Amt persönlich oder im kollegialen Verbund ausübt. ” (CIC can.333, § 2)

So übt der Papst einerseits sein Amt frei aus, denn seine lehramtlichen Entscheidungen bedürfen nicht der Zustimmung anderer, und es gibt keine Berufung an eine andere Instanz (vgl. CIC can 333 § 3). Andererseits übt er sein Amt stets in Gemeinschaft mit den übrigen Bischöfen aus (Kollegialitätsprinzip). Das ist dem Umstand geschuldet, dass das II. Vatikanische Konzil wieder neu betont hat, dass Bistümer echte Teilkirchen sind und der Papst als Bischof von Rom einer solchen Teilkirche vorsteht. Aber dennoch ist allein der Papst der Oberste aller Bischöfe, er allein kann ein Konzil einberufen, dessen Vorsitz ihm zukommt und dessen Beschlüsse seiner Zustimmung bedürfen.

Ein „Ökumenisches Konzil“ der katholischen Kirche ist die nach dem Papst die höchste Instanz und vereint alle Leiter der Teilkirchen, d.h. alle Bischöfe und Ordinarien, darüber auch alle nichtregierenden Bischöfe sowie die Ordensoberen. Seine Beschlüsse müssen vom Papst approbiert werden und haben für die römisch-katholische Weltkirche rechtsverbindlichen Charakter.

Seit dem II. Vatikanischen Konzil gibt es die „Bischofssynoden“. Diese Versammlungen, die der Papst in einem festen Turnus oder auch außerordentlich zu einem bestimmten Thema oder nur für eine bestimmte Region einberuft, haben nur beratende Funktion. Deren Texte haben keinen verbindlichen Charakter. Erst das Abschlussdokument des Papstes bekommt Gesetzeskraft.

Das Kardinalskollegium vereint die höchsten Würdenträger unter dem Papst. Die Kardinäle waren ursprünglich die Diakone und Priester der römischen Hauptkirchen sowie Bischöfe der Städte in der Bannmeile Roms. Heute werden sie vom Papst aus aller Welt kreiert und „bilden ein besonderes Kollegium mit der Zuständigkeit, nach Maßgabe von besonderem Recht für die Papstwahl zu sorgen; ferner stehen die Kardinäle dem Papst zur Seite und zwar entweder durch kollegiales Handeln, wenn sie zur Behandlung wichtigerer Fragen zusammengerufen werden, oder als einzelne in Ausübung verschiedener Ämter, womit sie den Papst vornehmlich in der täglichen Sorge für die Gesamtkirche Hilfe leisten.“ (CIC can. 349) Faktisch sind sie entweder Erzbischöfe und Bischöfe herausragender Bistümer in aller Welt oder Leiter einer Behörde an der römischen Kurie. Das vornehmste Recht des Kardinalskollegiums, das Recht der Papstwahl, endet mit Vollendung des 80. Lebensjahres. Nach den derzeit geltenden Bestimmungen sollen dem Konklave, welches den Papst wählt, höchstens 120 Kardinäle angehören.

Bei der Verwaltung der Weltkirche wird der Papst von einer Reihe römischer Behörden unterstützt, die in ihrer Gesamtheit als Römische Kurie bezeichnet wird. Die Römische Kurie nimmt die ihr übertragenen Aufgaben im Namen des Papstes und in seiner Autorität war (CIC can. 360).

Nach der letzten Kurienreform von 1988 steht an oberster Stelle das Staatssekretariat mit dem Kardinalstaatsekretär an der Spitze. Das Staatssekretariat ist die wichtigste Behörde der Römischen Kurie und arbeitet dem Papst direkt zu. Mit Blick auf seine umfassenden Kompetenzen kann es als die zentrale Oberbehörde bezeichnet werden. Ihm folgen 9 Kongregationen, die für den Papst faktisch die Verwaltung der Weltkirche ausüben und im Auftrag des Papstes Regierungsgewalt besitzen. Sie sind aus den Konsistorien entstanden, der Vollversammlung der in Rom anwesenden Kardinäle unter Vorsitz des Papstes, welche Entscheidungen berieten und entschieden. Mitte des 16. Jahrhunderts kam es zum Auf- und Ausbau der Kongregationen, mit deren Hilfe die wachsenden Aufgaben arbeitsteilig gelöst werden sollten. In den folgenden Jahrhunderten änderten sich Anzahl und Zuständigkeitsbereiche der Kongregationen immer wieder.

Mitglieder der Kongregationen sind Kardinäle und Bischöfe. An der Spitze einer jeden Kongregation steht ein Kardinal als Präfekt. An oberster Stelle der Kongregationen steht die Kongregation für die Glaubenslehre, der z.B. die für die Traditionalisten zuständige Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“ zugeordnet ist. Von großer Bedeutung sind auch die Kongregationen für die Verbreitung des Glaubens (ehemals „Propaganda fidei“) und die Kongregation für die Bischöfe, die vor allem die Ernennung eines Großteils der Bischöfe vorbereitet.

Neben den Kongregationen gibt es 12 päpstliche Räte, die aus den im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils eingerichteten Sekretariaten oder danach entstanden. Zuletzt wurde 2010 der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung gegründet. Die Räte haben keine Regierungsgewalt, sondern sind Organe des Kontakts, des Dialogs und des Studiums. Ihnen steht ein Präsident vor, der nicht unbedingt im Kardinalsrang sein muss. Bekannt sind z.B. der Päpstliche Rat für die Förderung für die Einheit der Christen, der im Auftrag des Papstes die ökumenischen Kontakte zu den unterschiedlichen Kirchen pflegt, und der Päpstliche Rat für die Laien, der die Weltjugendtage vorbereitet. Weiter gibt es noch eigene Gerichtshöfe, so z.B. die Rota Romana, die sich hauptsächlich mit Ehenichtigkeitserklärungen beschäftigt und die als ordentliches Gericht des Papstes gilt. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Kommissionen und Ämter.

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