Die katholische Kirche kennt eine Fülle liturgischer Feiern und Formen und versteht sich selbst als eine Kirche, in der die Liturgie die Mitte kirchlichen Lebens ist. Von der Liturgie sagt das Zweite Vatikanische Konzil, sie sei „der Gipfel, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“ (SC 10). Sie ist „in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht“ (SC 7). Sie ist der „Heiligungsdienst“ der Kirche, in ihr „vollzieht“ sich geradezu „das Werk unserer Erlösung“ (SC 2).

Zu diesem Gipfel hinauf führt der „Verkündigungsdienst“ der Kirche („Martyria“), während der diakonische Dienst („Diakonia“) von dort herkommt und sich in einer hierarchisch strukturierten Gemeinschaft realisiert, die gemeinsames Leben und Wirken in der Welt ermöglicht.

Der Heiligungsdienst der Liturgie ist „Vollzug des Priesteramtes Jesu Christi“, der selbst der eigentliche Liturg ist; die Liturgie „bezeichnet“ und „bewirkt“ in „sinnenfälligen Zeichen“ die Heiligung des Menschen (SC 7). Der katholische Priester hat insofern nicht nur das Evangelium zu „verkünden“, sondern auch das „Heilswerk zu vollziehen durch Opfer und Sakrament, um die das ganze liturgische Leben kreist“ (SC 6). Christus begegnet und handelt in Aktionsgemeinschaft mit der Kirche: so „ist jede liturgische Feier Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist“ (SC 7).

Sakramente als Handlungen Christi und der Kirche

Was bisher von der Liturgie der katholischen Kirche gesagt wurde, gilt in besonderem Maße von den Sakramenten. In der Zeit zwischen Pfingsten und der Parusie, der Zeit der Kirche, „lebt und handelt Christus fortan in und mit seiner Kirche auf eine neue, für diese Zeit eigene Weise. Er handelt durch die Sakramente“ (KKK 1076).

Damit ist einmal gesagt, dass es Sakramente nur im Neuen Bund Christi gibt. Das Alte Testament enthält lediglich typologische Vorausbilder der christlichen Sakramente wie etwa die Arche Noah als Vorabbildung der Taufe oder des Manna als Voranzeige der Eucharistie (KKK 1094).

Zweitens: Da im Sakrament Christus nicht nur als Haupt der Kirche, sondern auch mit seinem Leib, der Kirche, handelt, vereinen sich in jedem liturgischen Akt zwei Bewegungsrichtungen. Liturgie ist Heiligungsdienst Gottes an uns durch die Präsenz Christi im zelebrierenden Priester und in allem, was die Gemeinde tut; zugleich ist sie Gottesdienst, mit dem die Kirche den öffentlichen Kult der Gottesverehrung vollzieht (SC 7). Es verschränken sich eine herabsteigende, katabatische, heilshafte (soterische) und eine aufsteigende, anabatische, darbringende (latreutische) Linie. Auf den göttlichen Herabstieg antwortet der Mensch mit Glauben und Hingabe, und er gibt diese Antwort nicht als einzelner, sondern in der Gemeinschaft der Kirche. Das Tun Gottes wird zum Tun des Leibes Christi; die „Charis“ kehrt in der „Eucharistia“ zu Gott zurück.

Brennpunktartig sammelt sich dieses Verständnis von Christus, Kirche und gläubigem Lebensvollzug in der Lehre vom eucharistischen Opfer. Dessen Sinn ist nicht die Erwirkung von Gnade durch kultische Darbringung von unten herauf, sondern Teilhabe am sakramental gegenwärtigen, unwiederholbaren Opfer Christi. Die Glaubenden geben sich selbst in und mit Christus dem Vater hin; dieser aufsteigende religiöse Akt wird ermöglicht und getragen von Gottes Wirken an uns.

Liturgie ist also theozentrisch und gipfelt in der Verherrlichung Gottes. Das Gebet, das an Christus gerichtet ist, bildet nur die Vorstufe: Die Kirche schließt sich darin mit Christus zusammen, um sich dann mit ihm an den Vater zu richten. Das eucharistische Hochgebet ist so stets an Gott den Vater gerichtet.

Sakramente und Kirchenrecht

Die Sakramente gelten in ihrer Substanz als von Christus eingesetzt, die Kirche hat lediglich die Vollmacht, verbindlich festzulegen, was zur gültigen Feier eines Sakraments erforderlich und was bei der Spendung, dem Empfang und der liturgischen Ordnung zu beachten ist.

Das erklärt die große Bedeutung, die dem Kirchenrecht in der römisch-katholischen Kirche zukommt. Das Kirchenrecht ist keine rein funktionale äußerliche Ordnung, sondern im Sakrament begründet und letztlich mit der Inkarnation gegeben. In deren Verlängerung ist die Kirche ein „gesellschaftliches Gefüge“, eine „komplexe Wirklichkeit“ aus unsichtbarer Gnade und sichtbarer Organisation, aus einem göttlichen und einem menschlichen Element (LG 8). Das Kirchenrecht soll garantieren, dass die Kirche ihr sakramentales Wesen vollziehen kann und die einzelnen Sakramente gültig gefeiert werden. Damit hilft es zugleich den Glaubenden bei ihrer Heiligung als Glieder am Leibe Christi, zum Beispiel indem es das unauflösliche Band der Ehe schützt.

Das Kirchenrecht dient also einer pastoralen Zielsetzung, und dies kann in einer Notlage auch Kirchengesetze relativieren. Nicht zufällig heißt es im letzten Kanon des CIC, dass das „Heil der Seelen […] in der Kirche immer das oberste Gesetz sein muss“ (c. 1752). So ist zum Beispiel ein von seinen Ämtern suspendierter Priester verpflichtet, einem Gläubigen in Todesgefahr die Beichte abnehmen und die Sakramente spenden (c. 976. 1335). Ebenso erlischt für Gläubige, die exkommuniziert sind, der Ausschluss von den Sakramenten in diesem Fall (c. 1352 § 1). Ferner dürfen in einer schweren Notlage nichtkatholische Christen von einem katholischen Spender die Sakramente erbitten, sofern sie entsprechend disponiert sind (c. 844 § 4).

Das Kirchenrecht ist also Sakramentenrecht. Weil das Sakrament eine „Handlung Christi und der Kirche durch den Geist“ ist (ÖD 1993, 129), kann es kein gültiges Sakrament ohne eine wie immer geartete Mitwirkung der katholischen Kirche geben. Zwar heißt es, dass die Ehe das einzige Sakrament sei, das Katholiken sich gegenseitig spenden; doch ihr gegenseitiges Jawort wird nur sakramental wirksam, wenn es vom Priester oder sonst einem kirchlich Beauftragten entgegengenommen wird.

Die Trennlinie zwischen Sakrament und nichtsakramentalen Vollzügen geht durch das gesamte katholische Kirchenrecht. Eine „communicatio in sacris“ (nur noch c. 1365), d. h. im sakramentalen Bereich, ist an die Kirchengemeinschaft gebunden, die durch ein dreifaches Band, das Band der Glaubenslehre, der Sakramente und des kirchlichen Amtes definiert ist (c. 205).

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