In den öffentlichen Medien wimmelt es zurzeit geradezu von Meldungen, in die die orthodoxen Kirchen in Osteuropa und im Nahen Osten involviert sind: das Tauziehen zwischen Europa und Russland um die Ukraine, der Krieg in Syrien, die Christenverfolgungen in Ägypten, die Sternstunde der Ökumene in Jerusalem beim Treffen des Patriarchen Bartholomaios I. mit Papst Franziskus. Kirche und Politik sind bei diesen Konflikten oder Ereignissen so eng verknüpft wie es sonst kaum den Anschein hat. Vor dem Hintergrund der sich jagenden politischen Schlagzeilen verlief der zehntägige Deutschlandbesuch des „Erzbischofs von Konstantinopel, dem Neuen Rom und Ökumenischen Patriarchen“ Bartholomaios I. nahezu still und relativ unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Dabei zeichnete sich dieser Besuch durch ein hohes Maß an Verbundenheit und Einvernehmen des orthodoxen Oberhauptes mit den deutschen staatlichen und kirchlichen Repräsentanten aus, nicht zuletzt im Hinblick auf die beiden politischen Probleme, die immer wieder im Gespräch waren: die ökologische Krise und die verhinderte Wiedereröffnung des orthodoxen Theologischen Seminars von Chalki in der Türkei.

Gastgeberin des Patriarchen war die Griechisch-orthodoxe Metropolie, die im vorigen Jahr ihr 50jähriges Bestehen in Deutschland feierte und der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchen untersteht. Ursprünglich war schon für den Sommer 2013 der Besuch des Ökumenischen Patriarchen geplant gewesen, wurde allerdings auf Grund der bevorstehenden Bundestagswahl verschoben. Nun besuchte Patriarch Bartholomaios vom 10. bis zum 19. Mai Deutschland. Es war seine zweite Deutschlandreise – die erste fand 1993 statt.

Bartholomaios I.[1] ist als Ökumenischer Patriarch und nach orthodoxem Verständnis 270. Nachfolger des Apostels Andreas das Ehrenoberhaupt der gesamten Orthodoxie. Der ökumenische Dialog prosperiert unter seiner Ägide besonders hinsichtlich der römisch-katholischen Kirche. Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus hat sich das intensiviert, da beide kirchliche Oberhäupter eine ganze Anzahl von Anliegen und Problemen verbindet. Einer der herausragenden Aspekte davon ist das beidseitige Engagement für die Bewahrung der Schöpfung und die Wahrnehmung der ökologischen Krise.

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