(Stand: 15.01.2015, MM)

1. Selbstverständnis und Zielsetzung

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK),    auch: Weltkirchenrat; engl. World Council of Churches (WCC), ist das organisatorische Herz und Zentrum der ökumenischen Bewegung mit Sitz in Genf. Der ÖRK verkörpert eine Art „Dachverband“ christlicher Kirchen und Konfessionen, der den Mitgliedskirchen als Ansprechpartner der Koordination ökumenischer Arbeit besonders in Fragen des ökumenischen und interreligiösen Dialogs dienen soll. Gemäß der „Basisformel“ der Verfassung ist der ÖRK „eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

„Das Hauptziel“ des ÖRK besteht gemäß Verfassung darin „einander zur sichtbaren Einheit in dem einen Glauben und der einen eucharistischen Gemeinschaft aufzurufen, die ihren Ausdruck im Gottesdienst und im gemeinsamen Leben in Christus findet, durch Zeugnis und Dienst an der Welt, und auf diese Einheit zuzugehen, damit die Welt glaube.” Darin ist das Gebet Jesu für seine Jünger und Jüngerinnen aufgenommen, „damit die Welt glaube“ (Joh. 17,21). Der ÖRK ist unter den zahlreichen Organisationen der modernen ökumenischen Bewegung, deren Ziel die Einheit der Christen ist, die umfassendste und repräsentativste. Als nichtstaatliche Organisation ist der ÖRK bei den Vereinten Nationen akkreditiert. Hervorgegangen ist der ÖRK aus den Bewegungen für praktisches Christentum („Life and Work“) und für Glauben und Kirchenverfassung („Faith and Order). Vertreter aus beiden Bewegungen erarbeiteten einen ersten Verfassungsentwurf für den ÖRK, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, erfolgte die Gründung erst 1948 in Amsterdam. Es nahmen anfänglich 147 überwiegend evangelische Kirchen aus Europa und Nordamerika teil.

2. Mitgliedschaft

Dem ÖRK gehören gegenwärtig rund 350 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern an (2015); darunter mit Ausnahme der georgischen Kirche (Austritt 1998) alle orthodoxen und orientalischen Kirchen. Die Aufnahme erfolgt auf Antrag, wenn zwei Drittel der bei der Vollversammlung vertretenen Mitgliedskirchen zustimmen. Voraussetzung dafür ist, dass die antragstellende Kirche die Basisformel akzeptiert, bereits länger besteht und ihr mindestens 25.000 Mitglieder angehören. Die Mitgliederbasis des ÖRK umfasst mehr als 500 Millionen Christen in Kirchen, Denominationen und kirchlichen Gemeinschaften in aller Welt. Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen, sowie viele Unierte bzw. vereinigte und unabhängige Kirchen. Die römisch-katholische Kirche gehört dem ÖRK als einzige große christliche Kirche nicht an. Sie unterhält jedoch eine ständige gemeinsame Arbeitsgruppe und nimmt an den Vollversammlungen und Weltkonferenzen des ÖRK durch offizielle Beobachter teil. Der ÖRK hat gegenüber seinen Mitgliedern keine Weisungsbefugnis, sodass die Beschlüsse der Vollversammlung, die in der Regel alle sieben Jahre zusammentritt und aus den offiziellen Delegierten das Präsidium und den Zentralausschuss (150 Mitglieder) wählt, die Programmrichtlinien festlegt und über Verfassungs- und Strukturveränderungen entscheidet. Die Geschäftsführung liegt in den Händen des vom Zentralausschuss gewählten Exekutivausschuss und des Generalsekretärs, seit Aug. 2009 ist dies der aus Norwegen stammende evangelisch-lutherische Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit.

3. Die Vollversammlungen

Seit der Gründungsversammlung fanden Vollversammlungen in Evanston, Illinois (1954), Neu-Delhi (1961), Uppsala (1968), Nairobi (1975), Vancouver (1983) Canberra (1991), Harare (1998), Pôrto Alegre (2006) und Busan/Südkorea (2013) statt. Ort und Zeit der elften ÖRK-Vollversammlung stehen nicht fest, der Zentralausschuss tritt in Beratungen ein.

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