Zu den Maßnahmen, die der Staat in Deutschland zum Schutz der Menschen vor dem Virus getroffen hat, gehört auch, dass Gottesdienste und Versammlungen momentan in allen Kirchen und Religionsgemeinschaften Deutschlands verboten sind.

Für das tägliche kirchliche Leben der Katholiken – wie aller Kirchen – hat die Stilllegung des öffentlichen Lebens einschneidende Konsequenzen. Der neuernannte Augsburger Bischof Dr. Bertram Meier musste seine auf den 21. März terminierte Bischofsweihe auf unbestimmte Zeit verschieben. Besonders spürbar ist diese Einschränkung in dieser Woche: auch in der Karwoche und an Ostern sind alle Gottesdienste abgesagt. Nur Trauerfeiern finden noch im kleinsten Kreise statt.

Die Bischöfe haben ihre Gläubigen von der Sonntagspflicht befreit und viele von ihnen versuchen nun, per Livestream mit ihren Gläubigen in Verbindung bleiben. Aus bischöflichen Hauskapellen z.B. aus Augsburg und Limburg, oder der Michaelskirche in Fulda sowie aus Kathedralen wie z.B. aus Freiburg und Köln werden täglich Messen im Internet übertragen. Gottesdienste per Livestream werden darüber hinaus auch in Pfarrkirchen und Klöstern gefeiert, auch die Übertragung in Fernsehen und Radio gewinnt wieder an Bedeutung. Aber alles geschieht ohne Gläubige. Dies führt zu einer Diskussion, ob die Feier der Messe via Livestream mit der Beteiligung nur eines Priesters (und einiger weniger Gläubiger) ein Rückschritt hinter längst veraltete Formen darstellt – verbunden mit einer Exklusion aller anderen und einer Missachtung des Gemeinschaftscharakters der Eucharistie – oder ob nicht vielmehr in Notsituationen, wie die Corona-Pandemie mit Sicherheit eine ist, die Einzelzelebration des Priesters nicht nur erlaubt und geboten sein sollte, sondern auch ein Gewinn für alle anderen bedeuten könnte, weil er sie gleichsam stellvertretend für diese feiert. Die Meinungen gehen auseinander. Die einen sagen, dass dies nach dem II. Vatikanischen Konzil nicht mehr möglich sei, denn das Konzil habe die vor Ort feiernde Gemeinde als Trägerin der Liturgie angesehen (und nicht den an den Altar tretenden Priester, wie es im alten Messbuch hieß), so dass eine Messfeier (fast) ohne Gemeinde deren Sinn wenig entspricht. So argumentieren z.B. die Augustiner in Würzburg. Sie feiern keine Eucharistie ohne Gemeinde, sondern bieten andere geistliche Impulse im Netz an.

Andere dagegen argumentieren so, dass es eine Eucharistiefeier ohne Gemeinde nicht gebe, da alle liturgischen Feiern Handlungen der Kirche seien und nicht einer Einzelperson.

Faktisch sind diese Livestreams jedoch der Notsituation der Corona-Pandemie geschuldet. Darüber sind sich auch alle einig. Weiter stellt sich die Frage, wie die Realpräsenz im Sakrament vermittelt werden kann – in Form einer geistlichen Kommunion etwa? Wie kommen die Gläubigen an die Kommunion? Durch Kommunionhelfer ist dies kaum noch möglich? Debattiert wird auch, ob es nicht möglich sei, andere Gottesdienstformen stärker zu machen. Im Internet gibt es nun auch Texte für Hausgottesdienste, die die Diözesen anbieten.

Damit beginnt eine spannende theologische Debatte um sakramentale Präsenz im virtuellen Zeitalter!

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