Alle christlichen Gemeinden, alle Kirchen und Gemeindebünde sind damit beschäftigt, trotz „Corona“ ihre Arbeit irgendwie aufrecht zu halten; sie sind bemüht, das Evangelium in Wort und Tat auch unter diesen Bedingungen zu verkündigen. Das tun sie zunächst für die Menschen, die sie erreichen, für ihre eigene Organisation. Viel passiert aber auch ökumenisch. Wenig davon ist völlig neu; viele bewährte Formate und Strukturen werden aber innerhalb kürzester Zeit weiterentwickelt.

Ein bewährtes Format ist die nach der Tagesschau zweitälteste Sendung des deutschen Fernsehens: das Wort zum Sonntag. Neu ist, dass dieses am Karsamstag 2020 erstmals ökumenisch gesagt worden ist: Bischof Bätzing, der neue Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, und Landesbischof Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, sind gemeinsam aufgetreten. Bilaterale Ökumene der beiden mit Abstand mitgliederstärksten Kirchen in Deutschland.

Die drittgrößte christliche Konfession in Deutschland sind die Orthodoxen. Diese waren beim zu Frühlingsanfang publizierten „Gemeinsamen Wort der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche in Deutschland zur Corona-Krise“ dabei. Es unterzeichnete neben den Vorgenannten auch der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos.

Anfang April waren es aber nur Bätzing und Bedford-Strohm, die vom Bundespräsidenten angerufen wurden. „Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat heute [2.4.2020] mit dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, telefoniert. Er tauschte sich mit ihnen über die Situation und den besonderen Beitrag der Kirchen in der gegenwärtigen Krise aus. Der Bundespräsident bedankte sich für die frühzeitige und umsichtige Unterstützung der Kirchen für die aktuell notwendigen Einschränkungen.“ So heißt es in einer Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes. Nur am Ende kamen dann noch andere ein bisschen in den Blick: „Der Bundespräsident würdigte, wie die katholische und evangelische Kirche und auch andere Glaubensgemeinschaften viele Menschen derzeit spirituell und seelsorgerisch unter sehr erschwerten Bedingungen unterstützten.“

Auf dieser Linie lag dann auch die Vereinbarung zum „gemeinsamen“ Glockenläuten am Palmsonntag, 19.30 Uhr, und Ostersonntag, 12 Uhr. „… erstmals gemeinsam …, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der EKD und der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Das ökumenische Glockenläuten werde ein ‚Zeichen der Zuversicht in Zeiten der Corona-Pandemie‘ setzen.“ Gewiss. Aber Kirchenglocken haben auch andere christliche Kirchen in Deutschland. Längst nicht alle. Aber zum Beispiel auch viele orthodoxe, evangelisch-methodistische und manche mennonitischen Kirchgebäude. Und nicht zuletzt diejenigen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Deren Bischof Hans-Jörg Voigt „hat in einem dienstlichen Rundschreiben an die Geistlichen seiner Kirche empfohlen, ‚als Zeichen der ökumenischen Verbundenheit und als einen Gebetsaufruf für unser Land‘ dieser ökumenischen Aktion zu folgen und auch die Glocken der Kirchen der SELK am Palmsonntag zu 19.30 Uhr und am Ostersonntag zu 12 Uhr zu läuten“, hieß es in selk_news vom 4.4.2020. An deren Ende stand die folgende Aussage des Bischofs: „Ich hätte mich gefreut, wenn diese Verabredung nicht nur bilateral getroffen worden, sondern die Multilateralität der Ökumene berücksichtigt worden wäre.“ Gleichwohl habe er Verständnis dafür, dass in Zeiten besonderer Beanspruchung auch die vermeintlich kürzeren Wege gegangen werden.

Es scheint, als habe es die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen durch die Corona-Krise noch schwerer. Das spornt alle diejenigen an, die in den nächsten Monaten in Blick auf den Ökumenischen Kirchentag versuchen, diesen wirklich zu einem multilateralen Ereignis zu machen.

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