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Am 6. Oktober trafen sich Vertreterinnen und Vertreter von Landeskirchen und Pfingstkirchen in Nordrhein-Westfalen zu einem ersten gemeinsamen Forum zum gegenseitigen Kennenlernen. Dieses Forum war vom Evangelischen Bund Westfalen/Lippe in Zusammenarbeit mit dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) und dem Institut für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste der Ev. Kirche von Westfalen vorbereitet worden.

Das Vorbereitungsteam aus allen beteiligten Institutionen hatte sich auf das Thema: „Gottesdienst – so oder so“ verständigt. Hierbei ging es um das gegenseitige Kennenlernen der unterschiedlichen Gottesdienstformen und -traditionen.

Moderator des Tages war Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer, Vorsitzender des Landesverbandes Westfalen/Lippe des Ev. Bundes und Beratender Mitarbeiter des Konfessionskundlichen Instituts für den Bereich Pfingstkirchen / Charismatische Bewegungen. Für den Vormittag waren vier Kurzreferate vorgesehen, die den pfingstlichen Gottesdienst, den landeskirchlichen Gottesdienst sowie charismatische Gottesdienstmodelle und den sogenannten attraktionalen Gottesdienst zum Thema hatten.

Bei der gemeinsamen Betonung der Wirkung des Geistes im Gottesdienst wurde im ersten Vortrag deutlich, dass es, bei aller Betonung der Geisteswirkung, auch im pfingstlichen Gottesdienst eine, oft informelle, Liturgie gibt, die sich vor Ort herausbildet. Dies berichtete Pastor Egbert Warzecha aus Bottrop, der auch Regionalleiter des BFP in NRW ist. Er stellte diese Liturgie vor, die aus den Teilen Anbetung/Lobpreis, Predigt, Segnungserfahrungen und Geisteswirkungen bestehe.

Bei der Vorstellung der historisch gewachsenen landeskirchlichen Gottesdienstabläufe stellte der lippische Pfarrer Dr. Gregor Bloch, Detmold, die Zusammenhänge zwischen geprägten äußeren Formen und der inneren Struktur des Gottesdienstes vor. Er betonte den Zusammenhang zwischen der geistlichen Disposition der Gläubigen und den Wirkungen des Geistes im Spannungsbogen des Gottesdienstablaufes. Gregor Bloch ist Mitglied des Vorstandes des Ev. Bundes Westfalen/Lippe und dessen Theologischer Mitarbeiter.

Über das im pfingstlichen Bereich beheimatete und in einer wachsenden Zahl von Gemeinden inzwischen praktizierte attraktionale Gottesdienstmodell berichtete der Düsseldorfer BFP-Pastor Dr. Bernhard Olpen, der dieses Gottesdienstmodell in seiner Gemeinde anwendet. Olpen ist zugleich Vorsitzender des Theologischen Ausschusses des BFP. Er habe im Laufe der Jahre als Pastor die Erfahrung gemacht, dass die Fremdheitserfahrung der Wirkungen des Geistes etliche Gottesdienstteilnehmende daran gehindert habe, dauerhaft daran teilzunehmen. Das Modell des attraktionalen Gottesdienstes versuche nun, die Gottesdienste für eine feste Zielgruppe junger urbaner Menschen anschlussfähig zu machen. Dabei sei neben der Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe auch die ganzheitliche Ausrichtung auf den ganzen Menschen dieser Zielgruppe nötig. Dies müsse in dem Gottesdienstkonzept berücksichtigt werden, das auf ein minutengenau geplantes Gottesdienstgeschehen setze, bei dem es keinen Leerlauf gebe, sondern in dem die Teilnehmenden, auf unterschiedlichen Ebenen, zielgerichtet mitgenommen würden. In seiner Gemeinde, so berichtete Olpen, hätten die Besucher oft keine christliche Sozialisation, bevorzugten eine informelle Art des Zusammenseins und seien professionelle und gute Unterhaltung gewohnt.

Über den Charakter des charismatischen Gottesdienstes berichtete der Vorsitzende der GGE Westfalen, der Rahdener Pfarrer Udo Schulte. Er zeigte unterschiedliche Möglichkeiten auf, Gottesdienste verschiedener Prägungen mit charismatischen Elementen zu bereichern. So könne etwa auch ein liturgisch geprägter Gottesdienst besonders in seinem Anfangsteil mit Lobpreiselementen bereichert werden.

Nach dieser ersten Phase des Hörens aufeinander gab es einen intensiven Austausch im Plenum der ca. 30 Teilnehmenden. Anschließend fand noch eine Vertiefungsphase in Kleingruppen statt. Insgesamt zeigte sich, wie das gegenseitige Wahrnehmen das Verständnis für die Motivation des jeweils anderen gefördert hat.

Dazu trug auch die herzliche Gastfreundschaft der Freien Christengemeinde Bielefeld wesentlich bei. Bereits die Vorbereitungen auf dieses Forum waren von großer gegenseitiger Wertschätzung getragen gewesen. So war es nicht verwunderlich, dass nach diesem ersten Tag Einigkeit darüber herrschte, dass es eine Fortsetzung dieses Formates geben solle.

Ansprechpartner

Pfr. Dr. Dirk Spornhauer
Beratender Mitarbeiter Pfingst- und charismatische Bewegungen