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Wenn es um das orthodoxe Weihnachtsfest geht, dann denken viele hier in Deutschland, in den orthodoxen Kirchen feiere man dieses Fest am 7. Januar. Aber das ist nur zum Teil richtig: Das Datum für die Feier der Geburt Jesu ist sowohl in den westlichen Kirchen als auch in den orthodoxen Kirchen der 25. Dezember. Allerdings ist dabei die Frage, nach welchem Kalender der 25. Dezember bestimmt wird. In den Kirchen, die auf die Reformation zurückgehen, wie auch in allen daraus später entstandenen Kirchen, aber auch in der römisch-katholischen Kirche und den meisten griechisch geprägten orthodoxen Kirchen (Ökumenisches Patriarchat, Patriarchat von Alexandrien, Patriarchat von Antiochien, Kirche von Griechenland, Kirche von Zypern, Rumänische Orthodoxe Kirche, Kirche von Albanien) folgt man dem Gregorianischen Kalender. Manche slawisch geprägten orthodoxen Kirchen wie die Russisch-Orthodoxe und die Serbisch-Orthodoxe Kirche, aber auch die Georgisch-Orthodoxe Kirche und das Patriarchat von Jerusalem feiern Weihnachten nach dem Julianischen Kalender, der derzeit 13 Tage ‚nachgeht‘ im Vergleich zum westlichen Kalender. Daher fällt Weihnachten für diese Kirchen auf den gregorianischen 7. Januar. Allerdings gibt es im Bereich der Orthodoxie auch noch die orientalisch-orthodoxen Kirchen. Die Koptisch-orthodoxe Kirche und die Äthiopisch-orthodoxe Kirche feiern Weihnachten nach dem julianischen Kalender, d.h. am 7. Januar, während die Syrisch-orthodoxe Kirche dem gregorianischen Kalender folgt und daher am 25. Dezember feiert. Speziell ist an dieser Stelle die Armenisch-Apostolische Kirche, die zwar dem Gregorianischen Kalender folgt, aber Weihnachten am 6. Januar (Beginn am Vorabend, d.h. am 5. Januar) feiert. Genauer gesagt: an diesem Tag werden die Geburt und die Taufe Jesu gefeiert. Damit hat die Armenisch-orthodoxe Kirche das ursprüngliche Fest beibehalten, wonach in der Alten Kirche bis ins 4. Jahrhundert überall am 6. Januar die Geburt Jesu und seine Taufe gleichzeitig gefeiert wurden.

Somit gibt es in der Christenheit drei verschiedene Weihnachtstermine.

Alle orthodoxen Kirchen kennen auch eine Vorbereitungszeit auf das Geburtsfest hin, die als Fastenzeit begangen wird und 40 Tage dauert. In dieser Zeit werden keine tierischen Produkte gegessen. In der Armenischen Kirche dauert diese Fastenzeit ca. 50 Tage. Sie beginnt an einem Sonntag zwischen dem 15. und 21. November. Es geht in dieser Zeit darum, sich auf die eigene Berufung zur Nachfolge Christis zu besinnen und durch Gebet, Besinnung und Verzicht zu Gott hin umzukehren.  Der Verzicht auf bestimmte Speisen soll den orthodoxen Gläubigen helfen, sich dessen bewusst zu werden, dass neben den körperlichen Bedürfnissen der geistliche Weg zu Gott hin die wichtigere Bedeutung hat.

Ursprünglich war die Adventszeit auch in der Westkirche eine Fastenzeit, was sie in der Theorie und nach den liturgischen Büchern heute noch ist, was aber aufgrund von Konsumangeboten und anderen Entwicklungen in der Praxis zu einem großen Teil verloren gegangen ist. Die Konsumgesellschaft hat es wiederum mit sich gebracht, dass manches westliche Advents- und Weihnachts-Brauchtum auch in orthodoxen Ländern Eingang gefunden hat. So findet man in Russland weihnachtlich beleuchtete Straßen und auch Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen, nicht aber im privaten Bereich bzw. in privaten Wohnungen. Bei den Armeniern dagegen hat sich inzwischen im privaten Bereich der Adventskranz eingebürgert, allerdings mit 8 Kerzen – 7 auf dem Kranz und eine in der Mitte des Kranzes. 7 Kerzen sind für die 7 Sonntage der armenischen Adventszeit und die etwas größere Kerze in der Mitte symbolisiert Jesus Christus. Die Kerze in der Mitte soll als Symbol für Jesus Christus normalerweise weiß sein, die anderen Kerzen sind üblicherweise lila, der Farbe für Buße und Reue. Die Kerze in der Mitte wird nach dem Sonnenuntergang bzw. nach dem Weihnachtsgottesdienst am 5. Januar angezündet.

Das wichtigste Ereignis des Abends vor Weihnachten (Heiligabend) ist in allen orthodoxen Kirchen eine Liturgie über mehrere Stunden mit viel Gesang und Lichter-Prozessionen. Am 25. Dezember (bzw. 7. Januar) gehört der Familienbesuch zum Fest. Dieser Festtag ist jedoch erst der Beginn der Weihnachtszeit, die bis zum Fest der Taufe Jesu (6. Januar nach dem gregorianischen Kalender bzw. 19. Januar nach dem julianischen Kalender) dauert. Die Taufe Jesu wird von den Orthodoxen mit einer Wassersegnung gefeiert, die in manchen Ländern (z.B. in Russland) mit dem Brauchtum des Eisbadens verbunden ist.

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Pfrin. Dr. Dagmar Heller
Wissenschaftliche Referentin für Orthodoxie und kommissarische Leitung

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