Das Lehramt

Im Hinblick auf die Weitergabe der Offenbarung sind verschiedene Instanzen des kirchlichen Lehramtes zu unterscheiden. Da die Schrift nur im Raum der Kirche als Wort Gottes gehört und interpretiert werden kann, kommt zunächst der gesamten Kirche, also auch den Laien als Trägern des Glaubenssinns der Kirche Bedeutung zu. Sie partizipieren als Teil des Volkes Gottes an der Zusage, dass ihnen ein Gespür für den richtigen Glauben zukommt. Der Glaubenssinn aller Gläubigen bewirkt, dass sich die Kirche in ihrer Totalität nicht irren kann. Allerdings wird dieser Glaubenssinn in sich dadurch beschränkt, dass die Laien ihn nur in Gemeinschaft mit den Bischöfen ausüben. Doch bleibt zu betonen, dass diese Beteiligung an der Glaubensfindung eine Art von Interpretationsgemeinschaft darstellt, da allen Kirchengliedern von Lumen Gentium 12 her aufgetragen ist, im Dialog das rechte Hören auf das Wort Gottes zu finden. So kommt den Laien eine eigene lehramtliche Autorität zu.

Prägnanter ist allerdings das bischöfliche Lehramt der Kirche. Durch den Gedanken einer personalen Sukzession steht der Bischof als Nachfolger der Apostel unmittelbar in der Verantwortung, die den Apostel anvertraute Botschaft des Evangelium weiterzugeben und auszulegen. In ihrer Verantwortung liegt Lehre und Leben der Kirche. Als dem Nachfolger des Apostels Petrus, dem nach Mt 16, 18f durch Jesus selbst der göttliche Beistand zur Bewahrung der Lehre und des Urteilens übertragen wird, obliegt es dem Bischof von Rom, letztgültig über die richtige Interpretation der Schrift zu urteilen. Dass die Kirche in Gestalt des römischen Bischofs unfehlbar die Schrift aus- und Lehren vorlegen kann, verdankt sie dem göttlichen Beistand, der durch die Kirche die Menschen zur Wahrheit und zum Heil leiten will. Damit die Menschen zur Gemeinschaft mit ihm gelangen, stattet Gott die Kirche als sein Werkzeug mit der Gewissheit aus, dass sie in der Realisierung seines Heilswillens nicht endgültig fehl gehen kann. Die von Gott verliehene Vollmacht, die zum Heil führenden Glaubensgewissheiten unfehlbar vorzulegen, gilt zunächst dem Lehramt des römischen Bischofs, dann auch der Gesamtheit der Bischöfe, sofern diese in Gemeinschaft mit ihrem Haupt stehen und ihr personales Prinzip der Einheit in dem Bischof von Rom haben. Unfehlbar kann der Papst daher den Gläubigen Heilswahrheiten zum Gehorsam vorlegen.

Die Gewissheit der unfehlbaren Interpretation und Erkenntnis der Schrift ergibt sich demnach aus der unüberbietbaren und siegreich in der Welt angekommenen Offenbarung Gottes in Christus sowie dem Wirken des heiligen Geistes in der Schrift als dem Grund der Lehre einerseits, in der Vergewisserung bei Schriftrezeption auf der anderen Seite. Schriftproduktion und -rezeption stehen damit in analoger Weise unter dem Beistand des Geistes. Daher ist die Unfehlbarkeit des Lehramtes keine Anmaßung, sondern logischer Ausfluss der Gnadengabe Gottes an seine Kirche.

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