Die katholische Kirche auf nationaler und örtlicher Ebene

Die römisch-katholische Weltkirche besteht “in und aus” Teilkirchen (CIC can. 368), d.h. “Diözesen” oder “Bistümern”. An der Spitze steht der Diözesanbischof, der als Nachfolger der Apostel das Amt der Weihe (des “Heiligens”), des Lehrens und des Leitens hat. Ihm können Weihbischöfe und Regionalbischöfe zugeordnet sein, er weiht als seine Mitarbeiter Priester und Diakone. Einige Bischofssitze haben noch aus der Geschichte ererbte Ehrenrechte, z.B. der Erzbischof von Salzburg, dem es als „Primas Germaniae“ und „Legatus natus“ erlaubt ist, Kardinalspurpur zu tragen, ohne selbst Kardinal zu sein. Auch der Erzbischof von Gnesen hat als Primas von Polen einen Ehrenvorrang unter den polnischen Bischöfen.

Die Vorgehensweise für die Auswahl von Bischöfen ist von Land zu Land unterschiedlich. In den meisten Ländern ernennt der Papst die Bischöfe frei, in manchen Ländern wie in Deutschland und der Schweiz haben die Domkapitel noch ein Wahlrecht. Schließlich jedoch müssen alle Bischöfe vom Papst ernannt oder bestätigt werden. Die Bischöfe ihrerseits legen nach der Ernennung „das Glaubensbekenntnis und den Treueid gegenüber dem Apostolischen Stuhl“ ab (CIC can. 380).

Der Papst kann “Kirchenprovinzen” oder “Kirchenregionen” mit einem Metropoliten an der Spitze bilden. In Deutschland gibt es 7 Kirchenprovinzen mit insgesamt 27 Diözesen: Das Erzbistum Bamberg mit den Suffraganbistümern Eichstätt, Speyer und Würzburg; das Erzbistum Berlin mit den Suffraganbistümern Dresden-Meißen und Görlitz; das Erzbistum Freiburg mit den Suffraganbistümern Mainz und Rottenburg- Stuttgart; das Erzbistum Hamburg. mit den Suffraganbistümern Hildesheim und Osnabrück; das Erzbistum Köln mit den Suffraganbistümern Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier; das Erzbistum München-Freising mit den Suffraganbistümern Augsburg, Passau und Regensburg; das Erzbistum Paderborn mit den Suffraganbistümern Erfurt, Fulda und Magdeburg. Diese Zuordnungen sind wichtig z. B. für den Instanzenweg im Ehenichtigkeitsverfahren.

Bischöfe einer Nation oder eines Staates bilden gemeinsam eine „Bischofskonferenz“, um „gewisse pastorale Aufgaben für die Gläubigen ihres Gebietes nach Maßgabe des Rechts gemeinsam auszuüben“ (CIC can. 447). Diese vorsichtige Formulierung besagt, dass die Bischofskonferenzen keine Jurisdiktion über einen Diözesanbischof ausüben und dass sie als solche nicht das Lehramt haben. Vielmehr gewinnen deren Beschlüsse erst Verbindlichkeit, wenn der einzelne Bischof sie in seiner Diözese in Kraft setzt. In Deutschland gibt es seit 1869 die „Fuldaer Bischofskonferenz“, die seit 1965 katholische Deutsche Bischofskonferenz genannt wird und der seit diesem Zeitpunkt alle deutschen Weihbischöfe, Bischöfe und Erzbischöfe angehören. Für die rechtlichen und finanziellen Regelungen existiert der Verband der Diözesen Deutschlands mit einer Reihe von Kommissionen zur Abstimmung gemeinsamer Anliegen (z.B. die Bischöflichen Hilfswerke „Misereor“, „Adveniat“ [für Lateinamerika), „Renovabis“ [für Osteuropa]). Auf kontinentaler Ebene besteht zumeist ein „Rat“ der nationalen Bischofskonferenzen, z.B. CCEE (Consilium Conferentiarum Episcopalium Europae). Er hat nur pastorale Funktionen im Unterschied zu einer päpstlich einberufenen Bischofssynode für einen Kontinent, wo mit und unter dem Papst auch lehrmäßig entschieden werden kann. Der Diözesanbischof hat zur Verwaltung seiner Diözese ein „Ordinariat“ mit einem Generalvikar und mit Ordinariatsräten zur Verfügung. Der Pfarrer ist kirchenrechtlich der Vertreter des Bischofs in der Ortsgemeinde; er wird vom Bischof ernannt. Diözesan-Synoden und Gemeinsame Synoden der Bistümer eines Landes sind neue Strukturen seit dem II. Vatikanischen Konzil. Sie sind aus Bischöfen, Priestern und Laien zusammengesetzt. Sie haben in rechtlicher Hinsicht nur beratende Kompetenz, üben aber für das kirchliche Leben in einer Diözese maßgeblichen Einfluss aus.

Die Ebene unterhalb der Diözese ist die Pfarrei, auch Pfarrgemeinde oder Kirchengemeinde genannt. Auf dieser Ebene ist der Pfarrer der Vertreter des Bischofs. Ihm obliegt die Leitung und geistliche Betreuung der Gemeinde, besonders die Leitung der Eucharistiefeier, der immer ein geweihter Priester vorstehen muss, und die Spendung der Sakramente. Seit dem II. Vatikanum wurde das Amt des Diakons als eigenständiges Amt und nicht nur bloße Durchgangsstation zur Priesterweihe wiederentdeckt. In vielen katholischen Gemeinden sind heute sogenannte „ständige Diakone“, meist verheiratete Familienväter, sehr präsent. Sie gehören zum dreigliedrigen Klerus und empfangen das Sakrament der Diakonweihe. Ihnen ist es erlaubt, beim Sakrament der Ehe zu assistieren, sie dürfen Andachten und diverse Gottesdienste halten. Überlegungen, die ständigen Diakone als „viri probati“ zu Priestern zu weihen und so einen ersten Schritt zur Aufhebung des Zölibats zu vollziehen, sind bisher nicht umgesetzt worden.

Seit über 40 Jahren leisten auch die Diplomtheologinnen und -theologen als Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten ihren Dienst. Ihr Einsatz ist in den einzelnen deutschen Bistümern unterschiedlich geregelt, jedoch ist ihnen die Sakramentenspendung nicht erlaubt, da sie nicht am Weihesakrament partizipieren.

In den meisten Diözesen ist das Mitspracherecht der Priester und Laien durch verschiedene Gremien geregelt (Priesterrat, Seelsorgerat usw.). In den Pfarreien steht seit dem II. Vatikanum ein „Pfarrgemeinderat“ dem Pfarrer zur Seite, dessen Mitglieder von der Gemeinde gewählt werden und zu dem mancherorts auch Delegierte aus den katholischen Vereinen gehören. Ferner gibt es für die wirtschaftliche Verwaltung der Pfarreien ein Gremium, das meist „Kirchenvorstand“ genannt wird.

Forschungsgebiet(e):