Orden

Zur Vielfalt der katholischen Kirche und ihrer Lebensvollzüge tragen auch die verschiedenen Orden bei. Im Laufe der Kirchengeschichte haben sich sehr unterschiedliche Gemeinschaften von Frauen und Männern herausgebildet, die heute unter der Sammelbezeichnung „Ordensgemeinschaften“ zusammengefasst werden. Gemeinsame Strukturelemente bilden das Leben in Gemeinschaft (communio), die Bindung an Gott und die Gemeinschaft durch Gelübde (consecratio) und eine Sendung zum Dienst in der Kirche und an den Menschen (missio).

Ordensleute leben nach den sogenannten evangelischen Räten (Armut, Keuschheit, Gehorsam). Diese stellen grundlegende Werte oder Tugenden des Ordenslebens dar und prägen als solche die Lebenshaltung, den Lebensstil und das Engagement von Ordensleuten und werden als prophetisches Zeichen für das Anbrechen des Reiches Gottes verstanden. Die Entscheidung für ein Leben gemäß diesen Prinzipien ist zugleich von Freiwilligkeit und Verbindlichkeit geprägt.

Die katholischen Orden gehen auf die monastische Bewegung zurück, die ihre Anfänge im 4 und 5. Jahrhundert hat. Es war zunächst eine Laienbewegung, der es um die radikale Nachfolge Jesu ging. Die ersten Mönche waren Einsiedler, die besitzlos in der Wüste lebten und ihr Leben Gott gewidmet hatten. Im Laufe der Zeit begannen diese Einsiedler in Gruppen zusammen zu leben. Die zentrale Mönchsgestalt des Abendlandes war Benedikt von Nursia (480-555), der Klöster gründete und eine Ordensregel verfasste, in der die Ziele, Regeln und Verhaltensweisen des Zusammenlebens schriftlich fixiert wurden. Diese Regel sollte das Fundament des Mönchtums im Abendland werden. Es hat sich im Laufe der Zeit eine Vielfalt der Orden entwickelt, wobei man grundsätzlich zwischen aktiven und kontemplativen Orden unterscheiden muss: Während die aktiven Orden in allen gesellschaftlichen Bereichen tätig sind, suchen die kontemplativen Orden Ruhe und Zurückgezogenheit. Die unterschiedlichen Orden haben jeweils eine eigene, sie prägende Spiritualität. Vor allem aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben und Dienste entwickelten sich die Orden vielgestaltig. Es entstanden Predigerorden, Schulorden, Krankenpflegeorden, Seelsorge- und Missionsgemeinschaften und viele andere. Die monastischen und kontemplativen Orden widmen sich vornehmlich dem Gotteslob, Gebet und der Gastfreundschaft. Gesellschaftliche und kirchliche Umbrüche trugen in vielen Orden zu einem Wandel in ihren Tätigkeiten und Aufgaben bei.

Heute differenzieren sich die Ordensgemeinschaften eher in den Formen ihres Gemeinschaftslebens. Hinzu gekommen sind die sogenannten neuen Geistlichen Bewegungen, die meist nach dem letzten Konzil entstanden sind. Die Bandbreite reicht hier von einer ideellen Verbundenheit und gelegentlichen Zusammenkünften der verstreut lebenden Mitglieder über kleinere Wohngruppen mit Berufstätigkeit an unterschiedlichen Stellen bis hin zu großen Konventen, bei denen die Ordensleute unter einem Dach leben, beten und arbeiten. Der gemeinsame geistliche Lebensstil kann entsprechend den Lebensumständen der einzelnen und der Gemeinschaften gleichfalls erhebliche Unterschiede aufweisen.

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