Reformprozesse innerhalb der NAK der letzten Jahre zeigen, dass sie aus ihrer selbstgewählten Isolation herauszukommen bemüht ist. Gekommen war es zu dieser vor allem in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als Stammapostel Johann Gottfried Bischoff die Position vertrat, dass noch zu seinen Lebzeiten Jesus Christus wieder- kehren werde. Erste Öffnungen erfolgten mit den Stammaposteln Walter Schmidt, Ernst Streckeisen und Hans Urwyler. Stammapostel Richard Fehr hingegen förderte seit etwa 1994 bewusst und proaktiv die Öffnung der NAK und berief eine Projektgruppe Ökumene. Die Berufung dieser Gruppe und ihre Namensgebung, 2011 kam es zur Umbenennung in „Arbeitsgruppe Kontakt zu Kirchen und Religionen“, soll deutlich machen, dass das Anliegen der Öffnung gegenüber anderen Kirchen und auch den anderen Religionen dauerhaft sein soll.

Dass es den Vertretern der NAK mit diesem Anliegen ernst ist, lässt sich an Entwicklungen im Bereich der ACK-BW darstellen.

Im Jahr 2001 suchte die NAK durch ihre offiziellen Ökumene- Beauftragten das Gespräch mit der ACK-BW. Diese berichtet, dass von Anfang an das ehrliche Bemühen um eine ökumenische Öffnung der NAK unter Beibehaltung ihrer Identität spürbar war. Die dazu erforderliche lehrmäßige Entwicklung der NAK sei erkennbar. Der negativen Folgen ihrer jahrzehntelangen Selbstabschließung sei sich die Leitung der NAK bewusst und distanziere sich explizit davon. Im Jahr 2007 wurden nach zwölf Begegnungen die Gespräche beendet. Als Ergebnis dieses Pilotprojekts gab die ACK-BW eine Orientierungshilfe in zehn Punkten heraus, die von beiden Seiten getragen wurde und als Grundlage sowohl für die zunehmenden Kontakte zwischen den Gemeinden wie für weitere Gespräche der NAK mit der ACK auf Bundesebene dienen sollte. Der Geschäftsführer der ACK-BW berichtete dem Vorstand der Bundes-ACK bei dessen Sitzung in Fulda am 22. Juni 2010. Die ACK-BW hat hierbei deutlich gemacht, dass es sich bei der ökumenischen Öffnung der NAK um einen behutsamen und sorgfältigen Prozess handele, ohne Eile oder Überstürzung. Parallel hierzu fand auf Wunsch der NAK am 21. Februar 2008 ein Gespräch des Bundesvorstands der ACK mit der Projektgruppe Ökumene der NAK statt. Deutlich wurde, dass es auch darum ging, die selbstgewählte Isolation zu verlassen. Am 13. Dezember 2010 fand ein weiteres Gespräch zwischen dem ACK Bundesvorstand und der Projektgruppe statt. Seitens der NAK wurde ausgeführt, dass sie sich durch den Gedanken der versöhnten Verschiedenheit zur Ökumene ermutigt fühle, weil dieser impliziere, „dass ökumenisches Engagement und die Bewahrung der eigenen Identität miteinander vereinbar sind“. In diesem Gespräch wurde deutlich, dass die Erarbeitung des neuen Katechismus noch nicht Gegenstand der Diskussion in den Gemeinden sei. „Allerdings (seien) die Gemeinden in die Lehrentwicklung der letzten 15 Jahre, die er widerspiegelt, durch jeweilige offizielle Bekanntgabe von Veränderungen einbezogen.“

Die Vertreter der NAK bekräftigten in diesem Gespräch, dass sie zu einem vertieften Dialog über theologische Fragen bereit sei- en. So wolle man über die Gegenstände, die von den Kirchen nicht selten als „Sonderlehren“ gedeutet würden (z.B. Versiegelung, Gotteskindschaft, Endzeit, Apostelamt, Entschlafenenwesen) reden. Hierbei sei es hilfreich, auch die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin einzubinden. Beide Seiten vereinbarten, eine Gesprächsgruppe zu berufen, deren Ziel – so wurde einvernehmlich festgehalten – es sein sollte, zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei offenen theologischen Fragen zu kommen.

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